Über Uns

Startschuss: Schießstandskandal

Unsere Geschichte

Über Jahrzehnte wurden bei der Berliner Polizei die Schießstandrichtlinien und das Arbeitsschutzgesetzt missachtet!
Bei der vorgeschriebenen Aus- und Fortbildung mit den Dienstwaffen wurden die Polizistinnen und Polizisten einer erheblichen Gesundheitsbelastung ausgesetzt.

Diese entstanden nachweislich durch veraltete Be- und Entlüftungsanlagen, die nicht ordnungsgemäß die giftigen Staubpartikel und Dämpfe aus dem Atembereich abgesaugten.

Teilweise waren die Decken und Wände mit asbesthaltigen Verkleidungen versehen, die durch Beschuss beschädigt wurden und gefährliche Mineralfasern freisetzten. Eine mangelhafte Schießstandreinigung sorgte für die Ansammlung leicht entzündlicher Pulverreste an Wänden und Böden.

Dazu kommt die regelmäßige Wässerung der Untergründe, zur Brandverhinderung, die für die Entstehung gesundheitsgefährdender Schimmelpilze sorgte und ihre Sporen im unmittelbaren Trainingsbereich absonderten.
Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass die regelmäßige Aufnahme toxischer Substanzen zu einer chronischen Vergiftung des Menschen führen und sich daraus unzählige, zum Teil lebensbedrohliche Folgeerkrankungen entwickeln könnten!

Rund 1600 Polizeimitarbeitende gelten nach offiziellen Angaben als Betroffene!

Risikogruppe: Vielschießer

Der Schießstand in der Bernauer Straße war von allen Risikofaktoren am Meisten betroffen.
Vor allem diente dieser Schießstand als Trainingsstätte für die Berliner Spezialeinheiten, mobilen Einsatzkommandos, Präzisionsschützenkommandos und Spezialeinsatzkommandos, sowie dem Personenschutz- im Ernstfall.

Die technischen Anlagen aus den siebziger Jahren, die bei ihrer Inbetriebnahme für das Schießen auf lange Distanzen mit Gewehren ausgelegt wurden, waren für den enormen Umfang ihres Übungsschießens nicht konzipiert.
Darüber hinaus wurde aus Kostengründen Trainingsmunition verwendet, die noch in großen Mengen in den Bunkern lagerte und als besonders schadstoffreich galt.

Neben den Spezialeinheiten waren natürlich auch die Schießausbilder, sowie die sonstigen Mitarbeiter, die für den Betrieb und die Reinigung der Schießanlagen verantwortlich waren, von diesen Umständen betroffen.
Auch hier wurden in großen Mengen gesundheitsschädigende Pulverdämpfe und Staubpartikel über die Lungen aufgenommen.

Im Polizeihaushalt sind Finanzmittel für den Neubau mehrerer Trainingszentren, einschließlich moderner Raumschießanlagen, eingestellt!

Widerstand: Vom Einzelkämpfer bis zum Verein

Auf einem neu gebauten und eröffneten Schießstand des Landeskriminalamtes Berlin verlor unser heutiger 2. Vorsitzender Thomas Kolling im Dezember 1996 während des Schießtrainings das Bewusstsein.

Auch hier waren die fehlende Endabnahme und nicht bemerkte Funktionsuntüchtigkeit der Be- und Entlüftungsanlagen, durch das Schießtraining entstanden Pulvergasen und Kohlendioxid, die nicht abgesaugt werden konnten, die Gründe dafür.

In den folgenden Jahren setzte er sich vor allem für die Beseitigung der vielfältigen Probleme auf diesem Schießstand ein, in dem er Vermerke verfasste, die diese beschrieben, Überprüfungen anmahnte und organisierte. Er setzte sich mit Vorgesetzten auseinander, die die Gefahren für die Beamtinnen und Beamten zumindest teilweise unterschätzten!

Im Jahr 2004 übernahm er als Leiter des Schießwesens für das Landeskriminalamt offiziell die Verantwortung für das Schießtraining und setzte sich auch mit den Zuständen auf anderen Schießbahnen auseinander.

Wenn er einen Teil der Missstände erkannte und diese auch zu beseitigen versuchte, konnte er erst durch den Kontakt mit zwei Schießtrainern des Spezialeinsatzkommandos neue Wege beschreiten und die gesundheitsgefährdenden Umstände beseitigen.

Die Kollegen Thomas Frei und Stefan Lange, die selbst viele Jahre den Spezialeinheiten als Einsatzbeamten angehörten, hatten auf Anraten von Schießtrainern aus andern Bundesländern 2007 einen Vermerk über die unhaltbaren Zustände in der Raumschießanlage der Bernauer Straße gefertigt.
Ihres Erachtens nach wurde dort gegen die Schießstandrichtlinien und Arbeitsschutzvorschriften massiv verstoßen. Sie wiesen bereits zu diesem Zeitpunkt selbst Gesundheitsstörungen auf, deren Ursachen ihnen allerdings nicht bekannt waren.

Die Behördenleitung hatte inzwischen verschiedene Gutachten in Auftrag gegeben, die die Misstände weitestgehend bestätigen. Insbesondere der Zustand der Lüftungsanlagen wurde auf verschiedenen Schießständen als unzureichend bewertet.

Im Jahr 2011 brachten Thomas Frei, Stefan Lange und ein weiterer Kollege Thomas Kolling das Thema der maroden Schießstände über einen Bezirkspolitiker, mittels einer parlamentarischen Anfrage, in das Abgeordnetenhaus.

Darauffolgend wurden bis 2012, durch den Polizeipräsidenten Klaus Kandt- 62 von 73 Schießbahnen, aufgrund der Gesundheitsgefahren, geschlossen und wurden bisher nicht mehr für den scharfen Schuss bzw. erst nach Durchführung entsprechender Ertüchtigungsmaßnahmen wieder freigegeben.
Im März 2015 engagierte sich erstmals der Bund Deutscher Kriminalbeamter, als Gewerkschaft, für die Interessen. In diesem Zusammenhang gründeten eigens vergiftete und folgeerkrankte Kollegen bzw. Kolleginnen die Arbeitsgruppe „Schießstätten“.

Noch im selben Jahr berichtete der RBB, in der Berliner Abendschau, über die erheblichen Gesundheitsgefahren des Schießtrainings.

Die Enthüllungsjournalistin Gabi Probst hatte akribisch recherchiert und die Missstände beeindruckend dargestellt.
Zudem verschaffte uns Michael Böhl, langjähriges Ehrenmitglied und Landesvorsitzender unseres Vereins, Aufmerksamkeit bei der Behördenleitung und Politik.

Die Gruppe kritischer Polizistinnen und Polizisten wuchs um die Kollegen Thomas Kolling, Stefan Lange, Thomas Frei und Michael Böhl stetig an und es entstand eine Interessengemeinschaft, die couragiert und engagiert gegen, zum Teil fortbestehende Missstände, auf den Schießstätten vorging.
Darüber hinaus bemühte sich die Interessengemeinschaft darum, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen verantwortliche Personen voran trieb.

Die Behördenmitarbeitenden sollen für ihre Belastungen entschädigt werden und nachfolgende Generationen sollen, durch Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben des Arbeitsschutzes, zukünftig besser geschützt sein.

In diesem Zusammenhang legte der Berliner Senat, mit Zustimmung aller Fraktionen des Berliner Abgeordentenhauses, einen Fürsorgefond auf indem die belasteten Mitarbeitenden der Polizeibehörde für ihre Gesundheitsstörungen entschädigt wurden bzw. werden sollen.

Inzwischen wird ein umfassendes Ermittlungsverfahren gegen drei ehemalige Berliner Polizeipräsidenten geführt!

Heute: Berlin hat B.I.S.S.

Am 07.05.2018 wurde aus der Interessengemeinschaft „Schießstätten“ unser Verein
Berliner Initiative Sichere Stadt

Die Interessengemeinschaft beschloss eine Vereinsgründung, um weiterhin unabhängig von Gewerkschaften, anderen Interessengemeinschaften oder Parteien zu bleiben.
Das bedeutet jedoch keine sachliche Ausgrenzung oder gar Weigerung, mit jeweiligen Gruppen zu kommunizieren. Wir suchen jederzeit offene, zielführende Gespräche- für die gute Sache!
Leider gibt es noch immer viele offene Fragen, die im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des Schießstandskandals stehen.

Es handelt sich insbesondere um tatsächliche Ausgleichszahlungen aus dem Fond und zukünftige Versorgungsleistungen, z.B. durch die Anerkennung von Dienstunfällen.
Diese Fragen bringen eine Vielzahl weiterer Probleme mit sich, u.a. die noch immer hinter dem Bundesdurchschnitt liegende Besoldung, veraltete oder unvollständige Ausrüstung und Ausstattung, sowie marode Amtsstuben und vieles mehr.
Wir wollen uns auch zukünftig mit der gleichen Hartnäckigkeit und Entschlossenheit für die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten und allen anderen Mitarbeitenden, unabhängig von gewerkschaftlichen und behördeninternen Zwängen, einsetzen.
Sie wollen mehr über den Schießstandskandal oder unsere nächsten Projekte erfahren, dann
rufen Sie uns gerne an oder schreiben Sie uns eine Mail.
Wir stehen Ihnen selbstverständlich auch persönlich zur Seite!

Unser Kompetenzteam

Viele Gespräche mit Vertretern der Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und anderen gesellschaftlichen Bereichen und ständig wachsende Mitgliederzahlen haben gezeigt, dass wir mit den Anliegen unseres Vereins und der Art der von uns favorisierten Problemlösungsprozesse die Zustimmung vieler Menschen erhalten. Diese Erkenntnisse haben uns auch für das Jahr 2020 motiviert.

Um zukünftig die Interessen unserer Mitglieder mit noch mehr charismatischer Fachkompetenz vertreten zu können, haben wir unseren Vorstand zu einem zehnköpfigen Expertenteam ausgebaut. Dieses befindet sich in einem ständigen Erfahrungs- und Meinungsaustausch und findet gemeinsame Entscheidungen für optimale Problemlösungsprozesse.

Es ist mit aktiven und ehemaligen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten aus verschiedenen Aufgaben- und Führungsbereichen und einem erfolgreichen Unternehmer der Sicherheitsbranche ausgezeichnet besetzt.